Mittwoch, 26. Juni 2013

[Blogtour] Fida - Stefanie Maucher Tag 2


Hey Leute :)


Ich möchte euch heute zum zweiten Tag der Fida - Blogtour willkommen heißen.

Bei "mem-o-ries" habt ihr gestern ein paar Grundinformationen zu
Fida und zum weiteren Verlauf der Tour erhalten.

In Form eines Interviews lernt ihr heute Fidas Orginalgeschichte kennen.



Vor dem Interview, ein paar Buchdetails:


Autorin: Stefanie Maucher
Verlag: LUZIFER-Verlag
Ausgabe: Taschenbuch
Erscheinungsdatum: 01. Juli 2013
Sprache: Deutsch 
ISBN-10:
3943408183
ISBN-13: 978-3943408188

Hier alle Blog im Überblick:







Das Interview zur Orginalgeschite


Hey Stefanie :)

Danke das du dich diesem Interview stellst!
Im Interview möchte ich meinen Lesern und den Blogtour - Verfolgern die Entstehungsgeschichte von Fida vorstellen. Diese soll von der Idee bis zur Veröffentlichung am 01. Juni 2013 im Luzifer Verlag gehen.

Aber nun, wie bist du auf die Idee gekommen?

Ich wurde vor einer Weile gefragt, ob ich Lust hätte, eine Ultra-Kurzgeschichte zu schreiben, zu einem Bild meiner Wahl, von einem Hamburger Fotografen, der einen Bildband mit begleitenden Stories herausgeben wollte. Mich sprach eines seiner Bilder an. Darauf war ein kahles Gebüsch zu sehen, durchwuchert von Brennnesseln, in dem sich ein Stück Schnur verfangen hatte, die aussah, wie der Bändel eines Sweatshirts. Also stellte ich mir vor, wie der dahin gekommen sein könnte. Bald hatte ich das Bild einer Frau vor Augen, die sich mit einem Stapel Plakate immer wieder auf die Suche nach ihrer verschwundenen Tochter macht und wöchentlich an diesem Stück Schnur vorbeigeht – dessen Geschichte eng mit ihrer Suche verbunden ist. Diese Kurzgeschichte und die Figur der Mutter, die ich auf diesen wenigen Seiten schuf, hatte in dieser Kürze schon eine unheimliche Sogwirkung auf mich. Sie ließ mich zurück, mit dem sicheren Gefühl: Daraus könntest du viel mehr machen! Aus Teilen dieser Kurzgeschichte wurde dann der Romananfang von Fida.

Danke für diese ausführliche Antwort.
Nach dieser Antwort, bin ich bestimmt nicht die Einzige die diese Kurzgeschichte lesen möchte.
Freundlicherweise hat Stefanie mir diese zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.


╠»▬▬▬«•*•»▬ FIDA - Die Orginalgeschichte ▬«•*•»▬▬▬«╣
Nichts verschwindet Spurlos



Eiligen Schrittes überquert sie die Straße und hastet den Gehweg entlang, vorbei an dem zerfallenden Gemäuer eines alten Wohnhauses, von dem der Putz abblättert und der brachliegenden Wiese die daran angrenzt. Der Wind drückt ihr von hinten den Mantel gegen die Beine. Er weht ein klirrendes „Ping“ heran, eine Sekunde, bevor sie es gerade noch schafft einem Fahrradfahrer auszuweichen, der sie von hinten überholt und dabei mit dem Brackwasser aus einer abgestandenen Pfütze vollspritzt. Sie stolpert und wäre beinahe an dem Gebüsch hängen geblieben, welches den Wegrand säumt. Zwischen den kahlen Dornen eines abgestorbenen Strauches, in dem sich Draht, Schnur und anderer Unrat verfangen haben, ragen Brennnesseln hervor und verbergen nur notdürftig die dahinter liegende Ödnis und die morschen Bretter, die nur unzureichend einen alten Schacht abdecken. Als wolle der Eigentümer dieser Ruine, dass man sich beim unbefugten Herumstreifen auf seinem Besitz den Hals bricht. Sie hasst diesen Teil des Weges, beschleunigt hier immer ihre Schritte. Zu sehr erinnert sie das verfallene, trostlose Gebäude und das verlassende Land an ihre eigene Ödnis, die sie mit sich herumträgt. An die Leere, die sie empfindet, seit sie damit begonnen hat, diesen Weg einmal in der Woche zu beschreiten.
Manchmal fragt sie sich, was dieses Haus zu erzählen hätte, denkt sich Geschichten aus, mit denen sie versucht, sich von ihren düsteren Gedanken abzulenken. Vielleicht lebten darin früher Menschen, die einander sehr liebten, jedoch keine Kinder bekommen konnten. Seit sie verstarben, stellt sie sich vor, steht es leer, von niemandem mehr betreten, aber wenn man hinein ginge, könnte man noch immer die Zeugnisse eines erfüllten Lebens darin finden. Dabei ahnt sie nicht, wie wenig romantisch die Geschichte des Hauses in Wahrheit ist. 
***
Die Menschen, die dieses Gemäuer zuletzt betraten, liebten einander nicht. Der Akt, der darin vollzogen wurde, hatte nichts Romantisches an sich, das Sterben darin war nicht friedvoll. 
Es war kalt. Der Atem des Mädchens kondensierte in Wolken vor ihrem Gesicht. Die Dämmerung war heraufgezogen. 
Er war ihr schon ein paar Mal gefolgt, ohne dass sie ihn bemerkte. Etwas an ihr zog ihn an, vielleicht das jugendliche, noch unschuldige Lächeln. Oder die Art, wie ihr dunkles, glänzendes Haar weich über ihre Schultern fiel, als versuche es, die aufblühenden Brüste zu verbergen. Von hinten fiel er sie über sie her, packte sie am Haar und versuchte, ihr den Mund zuzuhalten, doch sie biss ihn und wehrte sich heftig. Hart schlug er zu, ließ sie in das Gebüsch taumeln, wo sich ein Bändel ihres Sweatshirts an einem Stück Draht verfing, das die Ranken bereits fest im Griff hatten. Er zerrte sie hinter die Büsche, in das verfallene Gebäude, stieß sie dort auf den dreckigen Boden, bevor er sich über sie kniete. Mit seinem Gewicht nahm er ihre Bewegungsfreiheit und mit seinem Messer ihre Kleidung. Er schlug sie erneut und forderte sie auf still zu sein, doch das Mädchen hörte erst auf zu schreien, als er seine Hände um ihren Hals legte und immer fester zudrückte. Als sie endlich still lag, missbrauchte er sie. Die Reste ihrer Kleidung und ihren toten Körper warf er in den alten Entwässerungsschacht hinter den Büschen, den er danach sorgsam mit ein paar Latten abdeckte.
Erst Wochen später, als er zum ersten Mal wieder an der Stelle vorbeifuhr, war ihm das Stück Schnur ihres Sweatshirts aufgefallen. Er ließ es hängen. Wie auch den anderen Müll würde es niemand außer ihm beachten. Seitdem war er regelmäßig hier vorbeigeradelt. So oft, dass Sonne und Regen genug Zeit hatten, das Gewebe zu zermürben, dessen Enden anfangs begrüßend im Wind wehten. Er beobachtete, wie es sich immer mehr im Gestrüpp verhedderte und das Wetter auch die Latten zermürbte und morsch werden ließ, während das Unkraut darüber hinwegwucherte. Bald schon wirkte das einstmals strahlend weiße Band schmutziggrau und verwaschen.
***
„Arschloch!“, schreit die Frau im Mantel dem Radfahrer nach, während sie eilig die Tropfen des Spritzwassers abwischt, die auf ihren Klarsichthüllen landeten, die sie wie einen erbeuteten Schatz an ihre Brust presst. Eine Welle der Wut erfasst sie. Auf den Radfahrer, seine Rücksichtslosigkeit, selbst auf den Dreck in den Büschen, für deren Pflege sich niemand verantwortlich fühlt. Eine unbestimmte Wut auf alles, mit der sie ihre Emotionen abdeckt, die auf diesem verlassenen Stück ihres Weges noch mehr an die Oberfläche drängen als sonst. Zudem geht für sie eine Art Déjà-Vu-Erlebnis mit der Situation einher. Erst neulich, an derselben Stelle, hat sie schon Mal ein Radfahrer fast über den Haufen gefahren. Als gäbe es irgendwo ein Nest von ihnen. Oder als würde er irgendwo warten, bis sie hier vorbeigeht und dann…
Sie lacht nervös auf und geht weiter. Nun leidet sie schon unter Verfolgungswahn. Doch wahrscheinlich will sie damit nur das Gefühl absoluter Hilflosigkeit übertünchen, welches sie wahnsinnig macht. Immer öfter in letzter Zeit hat sie das Gefühl, langsam durchzudrehen. Ihr Mann sagt, dass sie sich selbst verrückt macht. Sie müsse lernen, mit der Sache abzuschließen. Manchmal denkt sie er hat Recht. Dann hasst sie ihn dafür, dass er einfach weitermachen kann, Tag für Tag. Der Tag, als die Polizei ihnen sagte, dass sie die Suche eingestellt hatte, war der, an dem er die Hoffnung aufgab und beschloss, nur noch nach vorne zu blicken.
„Du darfst nicht aufgeben!“, sagt sie sich selbst immer wieder, bevor sie zu ihrem wöchentlichen Spaziergang aufbricht. „Nichts verschwindet spurlos.“
Endlich erreicht sie die überdachte Bushaltestelle. Ihre nervösen Finger greifen in ihre Manteltasche. Obwohl „Plakate ankleben verboten!“ über der Schautafel des Busfahrplans steht, klebt sie mir dem zutage geförderten Klebeband eine ihrer Klarsichthüllen an der Glasscheibe der Haltestelle fest. Liebevoll streift ihr Blick noch einmal das Gesicht ihrer Tochter, bevor sie weitergeht. Wie schön doch ihr Haar glänzte, am Tag, als dieses Bild gemacht wurde. Sie trug ihr Lieblingssweatshirt, ihre Finger zwirbelten verspielt an dem Bändel der Kapuze und sie lächelte unschuldig in die Kamera. „Vermisst“ steht in großen Buchstaben über dem Foto.

╠»▬▬▬«•*•»▬ FIDA - Die Orginalgeschichte ▬«•*•»▬▬▬«╣


Danke für die Bereitsstellung dieser Kurzgeschichte.
Aber wie wurde aus dieser Kurzgeschichte nun FIDA?

Erst mal schrieb ich den Anfang um, nahm den Mittelteil raus und baute ihn aus, zum ersten Kapitel. Dann schrieb ich den Rest der Rohfassung, in dem ich jedes der späteren Kapitel schon mal grob schrieb, konzipiert auf Minimum 5 Seiten pro Kapitel. Als diese Rohfassung dann fertig war, ging sie einmalig ins Lektorat. Danach setzte ich mich dann erneut dran und überarbeitete von vorn bis hinten. Manches war in der Rohfassung noch anders, harmloser, Wolfgang als Figur gab es zum Beispiel noch gar nicht. Der kam erst sehr spät hinzu. Als ich mit der Überarbeitung fertig war, war das Skript dann ungefähr doppelt so lang, wie zuvor und ging dann an ein paar Testleser, die mir als allererstes ihre Meinung geigen durften. Von da an dauerte es noch ein paar Wochen, in denen ich hier und da Kleinigkeiten änderte, bis ich der Meinung war: Nun ist wirklich alles rund. Schließlich folgte ein letzter Korrekturlauf, während ich das Cover bastelte – und dann ging Fida auch schon an die Öffentlichkeit. Von der Idee bis zum fertigen Buch vergingen ca. 7 Monate – mit kleinen Schreibpausen dazwischen.


Fertig geschrieben war FIDA nun, wie ging es mit ihr weiter?

Zunächst veröffentlichte ich Fida verlagsfrei. Ich lieferte das Ebook an die gängigen Plattformen und erstellte obendrein ein Taschenbuch, bei Amazons Createspace. So kam Fida erstmals in den Handel. Ich rührte ein wenig die Werbetrommel, veranstaltete eine Leserunde auf lovelybooks und registrierte erstaunt und erfreut, dass Fida in den Verkaufscharts weiter nach oben kletterte, als ich es mir überhaupt vorzustellen gewagt hatte. Innerhalb kürzester Zeit verkaufte sich Fida mehrere hundert Mal. Als ich dann eine geradezu diabolische Verkaufszahl erreichte, sah ich das als Zeichen für meinen nächsten Schritt.

Wie sah dieser nächste Schritt aus?

Getrieben von ein wenig Hoffnung, nicht aber der Erwartung, dass das wirklich klappt, unterhielt ich mich mit Steffen Janssen, vom kleinen aber feinen Luzifer-Verlag. Eigentlich rotzfrech wedelte ich mit meinen Verkaufszahlen und sprach mit Engelszungen auf ihn ein. Ich bot mein fertiges und gut laufendes Buch dem Verlag an, weil die Qualität der Luzifer-Bücher einfach besser ist, als das, was man via Createspace schaffen kann und ich obendrein gern den Sprung in den regulären Buchhandel schaffen wollte. Dann ging alles rasend schnell. Er überlegte ein Wochenende, wog das Für und Wider ab und wagte sich ran. Und nun, nur ca. 1,5 Monate später, dürfen wir alle uns schon über die tolle neue Fida hermachen. 


Hier einmal das neue Cover:



Da es hier um FIDAs Entstehungsgeschichte steht und der LUZIFER-Verlag ein Teil davon ist, habe ich den Verleger Steffen Janssen um eine kurze Vorstellung des Verlages gebeten.

»Nix für Angsthasen!« - Der LUZIFER-Verlag …

… wurde 2011 mit dem Ziel gegründet, jungen deutschsprachigen Debüt-Autoren des Horror- und Fantasy-Genres eine verlegerische Plattform zu bieten. Namen wie Michael Dissieux oder Rona Walter sind daher keine Unbekannten mehr in der Szene.
Schnell wuchs der Verlag aufgrund positiver Resonanz über sich hinaus und betrat auch das Thriller-Gefilde. In den letzten 24 Monaten wurden 15 Roman-Projekte umgesetzt und 2013 kommen erste Übersetzungen aus England und den USA dazu. Dabei richtet sich der Verlag neu aus und legt seine Kernkompetenzen auf dystopische (Horror)Romane und auf Thriller.
Selbstverständlich werden weiterhin deutschsprachige Debütanten gefördert und somit wartet auch in nächster Zeit die ein oder andere Überraschung auf den geneigten Leser.

Danke das ihr euch die Zeit genommen habt, dieses Interview bis zum Ende zu verfolgen.
Über die Bereitstellung der Kurzgeschichte habe ich mich besonders gefreut.
Wie findet ihr sie?



Ihr solltet die Blogtour weiter aufmerksam verfolgen, denn am Ende warten tolle Gewinne auf euch. Nicht nur neue Bücher, sondern auch diese schönen Lesezeichen:


Ich bin total neidisch auf euch, denn ihr habt die Chance diese wundervollen Preise zu gewinnen :)


Morgen geht es mit einer sozialkristischen Diskussion  auf  Jay Valentine weiter.


Bis Bald

Micky <3




 



Kommentare:

  1. Hallo Micky,

    so ich bin auch schon wieder da, hihi.

    interessantes Interview das Du mit der Autorin geführt hast. Ich finde es, besonders schön, wenn Autoren auch Leute ohne Reader oder ähnlichem denken und ihre Werke auch in gedruckter Form noch auf den Buchmarkt bringen.

    Was heute wahrlich keine leichte Sache ist, wenn man an die Massen an Bücher/Ebooks denkt. Die jeden Tag/Woche auf den Lesemarkt drängen.

    Hut ab!!

    LG..Karin..

    PS: Coole Lesezeichen, die man auch gewinnen kann!

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  2. Monja / Nefertari3527. Juni 2013 um 11:28

    Wow, geniales Interview! Die Kurzgeschichte ist klasse und ich kenne Fida ja schon, allerdings als e-book, bin aber mehr als begeistert davon!
    Die Geschichte ist düster, unheimlich, grausam und gruseliger weise sehr nahe an der realität.
    Die Gewinne sind ja echt der Oberhammer!
    Liebe Grüße
    Monja (Nefertari191174@web.de)

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  3. Was zumindest in meinem Fall so ist: Autoren sind ja auch Leser. Ich lernte mit 5 das Lesen und zähle mich seitdem zu den begeisterten Bücherwürmern. Natürlich bin ich irgendwo erst zufrieden, wenn mein Buch auch ganz normal in meinem Bücherregal steht - und vorzugsweise auch noch in dem vieler Anderer. :) Ich finde eBooks toll, habe selbst schon seit 1,5 Jahren einen Kindle und nutze ihn gern, aber eine Wohnung ohne "echte Bücher" käme mir trotzdem leer vor.

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  4. Obwohl ich Fida schon kenne, hatte ich bei der Kurzgeschichte eine mega Gänsehaut. Wer Fida noch nicht kennt sollte das schnellstens nachholen. Ein verstörendes Buch das noch sehr lange nachwirkt.
    Ganz großes Kino

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  5. Danke Beate :) So ähnlich gings mir, als ich diese 3 Seiten fertig hatte. Ich saß da, mit dem Gefühl, da würde eigentlich ein ganzer Roman drinstecken, so viele Bilder produzierte das in mir. Noch am selben Nachmittag schickte ich das Ding an meinen Lektor, mit dem ich eigentlich an einem ganz anderen Projekt saß, und verkündete, die bisherige Arbeit könnten wir streichen, denn ich schreibe nun das da. Zurück kam als Antwort: Das wäre ein sehr hübscher Text, aber er hätte keine Ahnung, wie ich daraus einen Roman machen will. Daraufhin bat ich ihn, sich einfach zurückzulehnen und abzuwarten. Und wenige Monate später präsentierte ich ihm die Rohfassung, die ihn schon dazu brachte Nietzsche und seinen zurückblickenden Abgrund zu zitieren. Mich schaute der schon nach drei Seiten an!

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  6. Ein kluger Mann dein Lektor. Ich bin sehr gespannt auf die weitere Blog-Tour.

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